Festgefahrenes lösen durch transformative Szenarienarbeit

 

“Müssen wir einen Waffenstillstand schließen, um am Szenarienprozess teilzunehmen?” fragte einer der in Kolumbien beteiligten Guerilleiros. “Nein,” entwickelte Adam Kahane seine Antwort. “Ein Szenarioprozess ist keine Verhandlung. Es gibt keine Voraussetzungen für die Teilnahme, nur die Bereitschaft, zu sprechen und zuzuhören.”

Wie schafft er diese Bereitschaft? “It’s simple, but not easy” ist die fast schon lakonische Antwort von Adam Kahane, wenn man ihn zu der von ihm entwickelten transformativen Szenarienarbeit fragt. Ob er besondere Methoden habe, mit denen er Vertrauen schafft zwischen den häufig aufs Messer (und ganz andere Waffen) verfeindeten Kontrahenten. “Wir nennen es Kaffeepause. Manchmal hilft auch ein gemeinsamer Spaziergang.” Es ist simpel – aber eben nicht einfach.

Die mögliche Zukunft

Vielleicht liegt die besondere Qualität tief in dem kleinen bärtigen Kanadier, der mit seinem Hören, seinem Hirn und seinem Herz dabei ist, wenn sich verfeindete Lager anschauen, wie die Zukunft sein kann. Nicht wie sie sein sollte. Oder sein wird. Sondern wie sie sein kann, in vier oder mehr Varianten. Das hat er in Südafrika gemacht am Ende der Apartheid, das hat er in Guatemala gemacht, in Kolumbien. Wo soziale Systeme festgefahren sind wird er gerufen, um den Beteiligten zu helfen, sich gemeinsam einen Weg aus der festgefahrenen Situation zu weisen. Szenarien zu entwickeln, wie die Dinge sein können, im Guten, wie im Schlechten, damit Wahlmöglichkeiten entstehen. Und diese Geschichten einer möglichen Zukunft ihre Kraft entfalten.

Szenarien – Mythen der Zukunft

Kahane liefert uns eine mögliche, wunderbare Erklärung dafür, die die Schrifstellerin Betty Sue Flower entwickelt hat: “Szenarien können sich in kraftvolle Mythen verwandeln. Mythen machen uns Mut. Wenn es in der Geschichte schon wahr ist, dann, paradoxerweise, können wir es möglich machen.” Kahanes Schlussfolgerung daraus: “In dem wir neue und andere Geschichten erzählen, verändern wir, was in der Welt um uns herum möglich ist.”

Wie er diese neuen Geschichten ermöglicht, darüber hat er drei Bücher verfasst, “Solving tough problems”, “Power and Love” und jetzt zuletzt “Transformative scenario planning”.

Seine bislang auf Englisch und zum Teil auch Spanisch erhältlichen Bücher geben generösen Einblick in seine Lernerfahrungen, seine gewonnene Erkenntnisse und die Schritte, die er daraus ableitet. Sie sind keine Handbücher – eher, so erscheint es mir, Herz- und Hirnbücher, weil es ihm darum geht, den Prozess der Szenarienplanung verstehbar zu machen und die Haltung, die dahinter steht. Das kommt auch im Eingangs genannten Ausspruch zum Ausdruck, “it’s simple, but not easy”: Es bedarf keiner besonderen Methoden, nichts, was über das Repertoire geschulter Veränderungshelfer hinaus geht. Es bedarf eines sich hinwenden zu dem, was möglich ist, wenn wenig möglich ist.

Simpel – aber manchmal eben nicht einfach. Adam Kahane zeigt in seinem aktuellen Buch “Transformatve Scenario Planning” beeindruckende Wege auf. Und: dass der kleinste gemeinsame Nenner ein enorm kraftvoller Haltepunkt sein kann, um den Hebel für große Veränderungen anzusetzen.

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